Ortsgeschichte

Die Dreiergemeinde und Ortschaft Goldscheuer

Goldscheuer Marlen und Kittersburg bildeten seit Menschengedenken eine Dreiergemeinde die ab dem Jahre 1551 rund 255 Jahre zu den vorderösterreichischen Landen der Habsburger gehörte. Im Jahre 1806 wurden sie in den neu gegründeten badischen Staat eingegliedert.

Die Verwaltung war in Offenburg im Königshof, dem Gebäude in dem heute die Polizei residiert. 1936 wurde die Dreiergemeinde dem Kreis Kehl zugeordnet. 1972 wurden die 3 Dörfer im Rahmen der Gemeindereform als Ortschaft Goldscheuer in die Stadt Kehl eingemeindet. 


Der Ortsteil Goldscheuer

Goldscheuer liegt etwa in der Mitte der Gemarkung und ist von der Anordnung her ein Straßendorf, das sich um die Kirche bildete. Vor 1759 standen Häuser an  einer Straße die an der der heutigen Schule zum Rhein hinaus führte. Nach dem großen Rheineinbruch im gleichen Jahr wurden die Häuser zurückversetzt und entlang der Hauptstraße, heute Römerstraße, sowie „dem Winkel“, der Lichtenbergstraße und der Litzhurststraße“ neu aufgebaut.

Im Jahre 1699 brannte der Ort aufgrund Kriegseinwirkungen bis auf wenige Häuser ab. Goldscheuer ist der jüngste Ortsteil und wurde erst im Jahre 1424 erstmals urkundlich erwähnt. Andere Quellen sprechen vom Jahre 1308.

Über Jahrzehnte ging man davon aus dass der Ortsname Goldscheuer aus einer Goldwäscher-Siedlung hervorging und deshalb aus den beiden Wortsilben „Gold“ und „scheuern“ (Waschen) entstanden sei.

Die neuerliche Forschung geht jedoch von anderen Gegebenheiten aus. Man ist der Meinung dass Goldscheuer als Lagerort für den Zehnten, das war früher die Steuer die an die Herrschaft zu entrichten war, zwischen Marlen und Kittersburg errichtet wurde. Dort stand vermutlich die so genannte „Gültscheuer“, eine Scheuer (Scheune) in der die Erzeugnisse aus der Landwirtschaft eingelagert wurden bevor diese von dort aus an die herrschaftliche Verwaltung nach Offenburg gefahren wurde. Der Name Gültscheuer wurde dann im Laufe der Zeit zu Goldschier und Goldscheuer verschliffen. Das in den 1950er Jahren entworfene Ortswappen zeigt eine Scheuer auf gelbem Grund, die diese These unterstützt.
 

Was ist sehenswert? Die Kirche Maria Hilfe der Christen aus dem Jahre 1963, neu gestaltet vom Künstler Stefan Strumbel im Jahre 2013, der Goldwäscherbrunnen aus dem Jahre 1988, das Rathaus aus dem Jahre 1879, das Kriegerdenkmal aus dem Jahre 1899, der „Mummelsee“ mit Naturbad aus dem Jahre 1938, die evangelische „Markuskirche“ aus dem Jahre 1985.


Der Ortsteil Marlen

Marlen ist der nördlichste Ortsteil der Ortschaft Goldscheuer und ist von der Anordnung her ein Haufendorf, das sich um die Kirche bildete. Vor 1759 standen Häuser an  einer Straße die an der der heutigen Schule zum Rhein hinaus führte. Nach dem großen Rheineinbruch im gleichen Jahr wurden die Häuser zurückversetzt und entlang der Hauptstraße, heute Kehler Straße neu aufgebaut. Im Jahre 1699 brannte der Ort aufgrund Kriegseinwirkungen bis auf wenige Häuser ab. Marlen ist sehr alt und dürfte um das Jahr 800 schon bestanden haben, eine urkundliche Erwähnung aus der Zeit gibt es jedoch nicht. Der Überlieferung zufolge soll der Name von einem merowingischen Würdenträger, aus einem fränkischen Adelsgeschlecht, namens Maro stammen, aus dem dann Heim des Maro wurde, ausgesprochen Marlenheim wurde. In jüngster Zeit hat sich noch eine weitere Theorie etabliert. In römischer Zeit soll es am Rhein, in der Nähe des späteren Marlen bei Marlen einen Rheinübergang, oder eine Schiffsanlegestelle, möglicherweise sogar eine Fähre gegeben habe die lateinisch „maris legio“hieß. Aus der Silbe „maris“ soll der Name Marlen entstanden sein. Nach und nach verlor der Übergang oder Hafen seine Bedeutung und wurde unterhalb von Marlen nach Hundsfeld verlegt. Gegen diese Vermutung spricht allerdings, dass es im nahen Elsass eine namensgleiche Ortschaft „Marlenheim“ gibt, die nicht am Rhein liegt und den Namen von dort haben kann.Marlen wurde erstmal zusammen mit Kittersburg in einer Urkunde aus dem Jahre 1283 erwähnt. Der Schweizer Ritter Walther von Klingen hat Marlen und Kittersburg an den Ritter Hogmesser von Oberehnheim (Obernai) weiter verkauft.

Was ist sehenswert? Die barocke Pfarrkirche St. Arbogast aus dem Jahre 1767, der Narrenbrunnen aus dem Jahre 1988.
 


Der Ortsteil Kittersburg

Kittersburg ist der südlichste Ortsteil der Ortschaft Goldscheuer und ist von der Anordnung her ein Straßendorf. Über den Namen Kittersburg gibt es verschiedene Theorien wie er entstanden sein könnte. Nach aktuellen Kenntnissen kommt aber wohl nur eine Erklärung in Frage. Die Wortsilbe „Kitters“ oder Küters, könnte aus dem lateinischen Begriff für Schutter, „scutera“, entstanden sein, die Silbe Burg könnte auf eine Tiefburg, ein stabiles, größeres Gebäude hinweisen. Möglicherweise wurde dieses zur Sicherung der nahen Straßenverbindung nach Offenburg, der heutigen Landesstraße 98, dort angelegt. Eine belastbare Erklärung liegt uns aber nicht vor. Kittersburg wurde erstmal zusammen mit Marlen in einer Urkunde aus dem Jahre 1283 erwähnt. Der Schweizer Ritter Walther von klingen hatte Marlen und Kittersburg an den Ritter Hogmesser von Oberehnheim (Obernai) weiter verkauft.

Was ist sehenswert? Die Kapelle aus dem Jahre 1553, der Dorfplatz an sich, der Dorfbrunnen und das Backhaus aus dem Jahre 1995.


Der Weiler Waseneck

Südwestlich von Goldscheuer, lag bis in das 15. Jahrhundert der Weiler Waseneck an den heute noch die Gewannnamen „große und kleine Waseneck“ erinnern. Im Weiler Waseneck wohnte der Wasenmeister und wie es sich bei seinem geächteten Beruf gehörte, außerhalb des regulären Dorfes. Auf den Weideflächen der „Riedfahrt“ weideten Rinder und Schweine  in großer Zahl. Der Wasenmeister war der Abdecker, der sich um die verendeten Tiere kümmerte. Die Kadaver wurden im nahen „Kaibenwald“ verscharrt. Überlieferungen zufolge wurde der Weiler Waseneck bei einem Rheineinbruch zerstört. Die Häuser die gerettet werden konnten bildeten den Grundstock für das neu gegründete Dorf Goldscheuer und wurden dorthin übersiedelt. Bekannt wurde der Name dadurch, weil 1675 auf dem Gewann „die Schlacht bei Altenheim“ stattfand.
 


Das Pfarrdorf Hundsfeld

Nördlich von Marlen, links des heutigen Weges an das Kulturwehr liegt das Gewann Hundsfeld, auf dem einst ein kleines Dorf mit eigener Kirche stand. Dort war eine Fähre installiert die den Übergang per Fähre über den Rhein ermöglichte, bevor bei Kehl 1392 die lange Bruck gebaut wurde und die Fähre ersetzte. Nach dem Brückenbau verfiel das Dorf das durch die Fähre ein Einkommen erzielte in Armut und gab sich dem Räubertum hin, was zu Ihrem Untergang und der Auflösung des Dorfes führte. Mit Hund bezeichnete man unter anderem eine Fähre Daraus leitete sich dann der Ortsname Hundsfeld ab, eben das Feld an dem die Fähre anlegte.  Hundsfeld  wurde erstmal zusammen mit Marlen und Kittersburg in einer Urkunde aus dem Jahre 1283 erwähnt. Der Schweizer Ritter Walther von Klingen hatte Marlen, Kittersburg und Hundsfeld an den Ritter Hogmesser von Oberehnheim (Obernai) weiter verkauft.